Endlich! HVV umsonst!

Warum nicht gleich so? Und warum nicht für immer?

Am 07.06 hat der HVV eine hochsymbolische Show-Jagd auf seine ticketlosen NutzerInnen veranstaltet. Trotz der peinlichen Begleitpropaganda (junge Frauen verteilen Gummibärchen) gab es viel dicke Luft. Laut Insidern kündigt der HVV wohl in Kürze als Reaktion auf den Unmut über die schikanösen Großkontrollen einen fahrscheinlosen ÖPNV – wenngleich vorläufig nur begrenzt- während des G20 an.

Zuvor hatten sich LeserInnen im Rahmen einer Umfrage bei Zeit-online (s.u.) für einen ticketfreien ÖPNV ausgesprochen- mindestens als Ausgleich für die Einschränkungen für die Hamburgerinnen und Hamburger während des ungeliebten G20 Gipfels.
Lesen Sie unten auf der Seite („mehr“) unsere Presseerklärung zu dieser Ankündigung…


Bei Großkontrollen sparen- Schwarzfahren abschaffen!

Aber immerhin: Die Stadt Hamburg und der HVV kündigen ticketfreies Fahren und kostenlose Museumsbesuche als Ausgleich für den G20- Stress an.

Als umwelt- und sozialpolitische Initiative kämpfen wir gegen die unsoziale und umweltfeindliche Verkehrspolitik der ehemaligen „Umwelthauptstadt“ Hamburg. Der Auto- und Abgasmetropole stellen wir die Vision eines freien, öffentlich finanzierten ÖPNV in Hamburg entgegen. Das am 07.06.2017 als öffentlich inszeniertes Spießrutenlaufen „Schwarzfahren“ wäre dann eine Straftat von gestern, und das „Schwarzfahren“ mit dem Auto, das laut der Studie „Zukunftsfähiges Hamburg“ jedem Hamburger 629 € Schadenskosten pro Jahr aufbürdet, könnte thematisiert und offensiv angegangen werden.

Doro Fischer vom Bündnis HVVumsonst!: „Repressive Ansätze, die zwar Kontrollen ausweiten, aber nicht darauf abzielen motorisierten Individualverkehr abzubauen und den ÖPNV sozial ausgewogen zu finanzieren sind rückwärtsgewandt und zum Scheitern verurteilt. Wir brauchen mehr Freiräume, mehr Bewegungsfreiheit und bessere Luft! Wir brauchen einen HVV umsonst!“

Ganz umsonst ist die Bereitstellung von freier Mobilität für alle natürlich nicht, vielmehr istder ÖPNV mit immensen Kosten verbunden. Die Frage ist aber WER sich an der Finanzierung mit welchem Umfang beteiligt.
Unabhängig von den Kosten sind alle Bewohner dieser Stadt auf Mobilität angewiesen. Dennoch gibt es einen unübersehbaren Zusammenhang zwischen der Einkommenssituation und der Teilhabe an der Mobilität: Haushalte mit geringem Einkommen haben häufig kein Auto, ihre MitgliederInnen bewegen sich in der Regel mit dem ÖPNV, den sie sich aufgrund steigender Preise immer weniger leisten können. Entsprechend gibt es einen Zusammenhang zwischen Einkommen und „erschlichener Beförderung“.

„Die Situation ist ein politischer Skandal: diejenigen, die am ehesten auf Bewegung in der Stadt angewiesen sind, können sich diesen kaum mehr leisten und gehen in einer automobilen Gesellschaft das höchste Risiko ein, kriminalisiert zu werden“, kritisiert Dirk Notermann von HVVumsonst!.

Mit der Parole nach einer Beförderung „umsonst“ fordern wir eine allgemeine, fahrscheinfreie, steuerfinanzierte Mobilität im städtischen Raum, deren Kosten die einzelnen NutzerInnen, sondern alle Bewoh¬nerInnen und Gewerbe – je nach Möglichkeiten – bestreiten. So sollen alle frei entscheiden können, wie sie sich bewegen wollen – unabhängig von ihrem Geldbeutel. Dass dies möglich ist wird in vielen Großstädten tagtäglich bewiesen (www.freepublictransports.com/Cities)

Selbstverständlich denken wir nicht nur an den Kostenaspekt, wir stellen uns die Mobilität insgesamt freier vor: weniger physische Barrieren, weniger Schranken, weniger repressives Kontrollpersonal und –Kameras, aber dafür mehr und leichter ansprechbares Hilfspersonal sowie ein gut ausgebildeter Infoservice in den Wagen und auf den Bahnsteigen.

Und nicht zuletzt denken wir an die Umwelt und streben eine Verminderung des Autoverkehrs an!
Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die inzwischen für alle bedrohlichen Emissionen durch den individuellen Autoverkehr zu mindern.
- Der CO2-Ausstoß trägt in erheblichem Maße zur Klimaerwärmung bei.
- Der ständige Lärm in der Stadt führt zu erheblichen Stressfolgeerscheinungen.
- Historische Gebäude werden durch die Abgase beschädigt.

Schon der Begriff „Schwarzfahren“ ist stigmatisierend. Bei „schwarz“ denken wir häufig an seltsame Abweichung von einer ordentlichen Normalität: an schwarze Schafe, schwarze Kassen, Schwarzarbeit usw.

Im Umkehrschluss wird beim Begriff „Schwarzfahren“ – neben der unterschwelligen rassistischen Komponente – transportiert, dass es legitim sei, für eine Beförderung Geld zu verlangen. Dass also die Leute, die ohne Ticket mitfahren, als logische Konsequenz aufgespürt und verfolgt werden müssen und in die JVA wandern.

Deshalb ist der Begriff des „Schwarzfahrens“ irreführend. Wir finden es angesichts des fehlgelenkten öffentlichen Vermögens (Stichwort Elbphilharmonie, G20 etc.) nämlich logisch, das Recht auf Mobilität einfach wahrzunehmen. Was ist daran verwerflich? Der Repressionsgefahr zum Trotz hat es jede/r vierte Jugendliche in Hamburg schon getan. Gäbe es keine Schüler- und Semestertickets wäre die Rate um ein vielfaches höher.

Wir wollen den Blick und das Bewusstsein umlenken: Teilhabe ist angesichts des gesellschaftlichen Reichtums ein Recht, lediglich die ungleiche Verteilung des Wohlstandes ist krasses Unrecht.
Wir wollen wir mit unserer Initiative den aktuell in Funk und Fernsehen endlich beachteten „Schwarzfahrern“ die Möglichkeit zur sogenannten „Erschleichung“ nehmen.
„Ich verstehe die Entscheidung vieler armer Schlucker, sich für das gesparte HVV- Ticket etwas anderes leisten zu wollen, nur zu gut. Ich finde das nicht unsolidarisch sondern die Abzocke bei den Öffis bei gleichzeitiger Bevorzugung des Autoverkehrs ist unsolidarisch“, kommentiert Gaby Henkel, 47.

HVV umsonst durchsetzen!
Hamburg, 08. 06. 2017


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/li