Abendblatt und Zeit-LeserInnen fordern anlässlich des G20 den HVV umsonst

Die „Zeit“ ist auf der Höhe der Zeit.

In ihrem newsletter vom 29.5. 2017 fragt die Zeit ihre LeserInnen:

“ Fühlen Sie sich durch kostenlose Museumsbesuche angemessen entschädigt für die zu erwartenden Einschränkungen beim G20-Gipfel? Wenn nicht, was müsste Ihnen stattdessen geboten werden – freier Eintritt in den Freibädern? Schreiben Sie uns!“

Und siehe da, einen Tag später schlägt die Intelligenz zurück:
„Und nach dem Gipfel: Alle ab ins Museum – für lau!


Doch wenn die Stadt schon Geschenke verteilen will – Sie hätten da noch ein paar Ideen: Einige Leser würden gern einen Monat lang kostenlos den HVV nutzen, eine Leserin wünscht sich eine Jahreskarte für die städtischen Freibäder, eine andere gleich ein ganzes »Sammelpaket an Hamburger Freizeitvergnügen«, inklusive Kinogutscheinen, freien Theaterbesuchen und einer Wochenend-Fahrt mit der Fährlinie 73 (!). (…)“

Unüblicherweise lieferte das konservative Hamburger Abendblatt am 27.05.17 die Steilvorlage:

G20-Geste: Gut, aber nicht lebensnah Quelle: HA, 27.5.2017

Ob die Hamburger am Tag nach dem Gipfel ins Museum wollen? Besser wären Freifahrten mit Bus und Bahn.

Es gibt nichts zu beschönigen: Viele Hamburgerinnen und Hamburger werden die Auswirkungen des G20-Gipfels hautnah zu spüren bekommen. Alltägliche
Wege werden an den gut geschützten Sicherheitszonen enden, Haupteinfallstraßen der Stadt immer wieder kurzfristig für die 19
Staats- und Regierungschefs sowie Vertreter der EU gesperrt, die Fahrt zur Arbeit eine Herausforderung. 20.000 Polizisten werden in der Stadt
sein, Hubschrauber in der Luft kreisen, am Airport müssen die Fluggäste mit Verzögerungen rechnen, wenn die Air Force One und andere Regierungsmaschinen landen.

All das nervt viele Bürger schon jetzt gewaltig. Die Skepsis ist zu greifen, wie zuletzt auch unsere (nicht repräsentative) Umfrage unter den Abendblatt-Lesern zeigte: Drei Viertel derjenigen, beteiligten, finden es nicht gut, dass das Gipfeltreffen in der Hansestadt stattfindet. Und vorher gefragt hat sie niemand.

Darauf will die rot-grüne Mehrheit in der Bürgerschaft nun reagieren. Wenn der Senat die Hamburger am Sonntag, dem Tag nach dem Gipfel, in die Museen einlädt, ist das ein Signal. (…) Etwas lebensnaher wäre es allerdings gewesen, wenn man sich dazu hätte durchringen können, Busse und Bahnen kostenlos fahren zu lassen.

So wäre ein unmittelbarer Zusammenhang zum Gipfel hergestellt worden: Erleichterungen bei Bussen und Bahnen als Antwort auf die Beeinträchtigung des Verkehrs. Zumal die Bürger aufgerufen sind, an den G20-Tagen das Auto stehen zu lassen und auf den ÖPNV umzusteigen. Niemand kann ernsthaft annehmen, dass mehr Leute in die Innenstadt fahren, selbst wenn sie dort nichts zu tun haben – nur weil das nichts kostet.

Ob die Initiative von Rot-Grün nun eine Geste zu nennen ist oder eher ein „Gestchen“: Man kann es nicht einerseits richtig und gut finden, dass die Schwellen- und Industrieländer zusammenkommen, um über die Probleme der Welt zu reden, aber ablehnen, dass sie es vor der eigenen Tür tun. Das passt nicht zu unserem großstädtischen Anspruch.
Mitdiskutieren und sich einbringen, die vielen kritisch-informativen Angebote von Kultureinrichtungen, Kirchen, Gewerkschaften und anderen nutzen, Protest gegen Despoten und Fehlentwicklungen der Globalisierung deutlich machen — das sind die richtigen Antworten auf G20.


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/li