Archiv für August 2011

Gratiszug auf dem Methfesselfest

Spannende Diskussionen und sensationelle Fotostrecken sind das erfreuliche Ergebnis des sonst eher gemütlichen Methfesselfestes. Wir freuen uns über das bekundete Interesse und die praktische Unterstützung! Als direktes Resultat planen wir nun eine Broschüre, in denen wir die Kontroverse über einen kostenfreien ÖPNV zusammenfassen und vertiefen wollen.
Folgt dem link und ihr findet noch mehr Bilder von kleinen und großen Besuchern des Festes und unseres „Gratiszuges“.


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Schwarzfahren abschaffen – HVV umsonst!

Presseerklärung Hamburg, 9.8.2011

Schwarzfahren abschaffen – HVV umsonst!
Als Initiative für einen freien ÖPNV zum Nulltarif freut uns das aktuelle Medieninteresse an den „Schwarzfahrern“. Wir kämpfen seit einem knappen Jahr gegen die unsoziale und umweltfeindliche Verkehrspolitik der „Umwelthauptstadt“ Hamburg. Der Auto- und Abgasmetropole stellen wir die Vision eines freien, öffentlich finanzierten ÖPNV in Hamburg entgegen. Das derzeit breit gescholtene „Schwarzfahren“ wäre dann eine Straftat von gestern.
Die Debatte öffnet immerhin den Raum, über die verschiedenen Vorstellungen umweltschonender und zukunftsfähiger Mobilität ins Gespräch zu kommen. Repressive Ansätze, die Kontrollen ausweiten, aber nicht darauf abzielen motorisierten Individualverkehr abzubauen, den ÖPNV sozial ausgewogen zu finanzieren und mehr Freiräume in der Stadt zu schaffen sind rückwärtsgewandt und zum Scheitern verurteilt.
Als Bündnis aus klima-, sozial- und verkehrspolitischen Gruppen und Einzelpersonen juckt es uns deshalb, in die Debatte kommentierend einzusteigen.

PAROLE? HVV UMSONST!

Umsonst ist nichts, die Bereitstellung von freier Mobilität für alle ist mit immensen Kosten verbunden. Unabhängig von den Kosten sind alle Bewohner dieser Stadt auf Mobilität angewiesen. Dennoch gibt es einen unübersehbaren Zusammenhang zwischen der Einkommenssituation und der Teilhabe an der Mobilität:
Haushalte mit geringem Einkommen haben häufig kein Auto, ihre Mitglieder bewegen sich in der Regel mit dem ÖPNV, den sie sich aufgrund steigender Preise immer weniger leisten können. Entsprechend gibt es einen Zusammenhang zwischen Einkommen und „erschlichener Beförderung (Schwarzfahren)“.
Diese Situation ist paradox: diejenigen, die am ehesten auf den Service angewiesen sind, können sich diesen kaum mehr leisten und gehen das höchste Risiko ein, kriminalisiert zu werden.
Mit der Parole nach einer Beförderung „umsonst“ fordern wir eine allgemeine, freie Mobilität im städtischen Raum, deren Kosten aber nicht unmittelbar die Nutzerinnen, sondern alle BewohnerInnen – je nach Möglichkeiten – bestreiten. So sollen alle frei entscheiden können, wie sie sich bewegen wollen – unabhängig von ihrem Geldbeutel.

Selbstverständlich denken wir nicht nur an den Kostenaspekt, wir stellen uns die Mobilität insgesamt freier vor: weniger physischeBarrieren, weniger Schranken, weniger repressives Kontrollpersonal und –Kameras, aber dafür mehr und leichter ansprechbares Hilfspersonal sowie ein gut ausgebildeter Infoservice in den Wagen und auf den Steigen. Und nicht zuletzt denken wir an die Umwelt und streben eine Verminderung des Autoverkehrs an!

Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die inzwischen für alle bedrohlichen Emissionen durch den individuellen Autoverkehr zu mindern.
- Der CO2-Ausstoß trägt in erheblichem Maße zur Klimaerwärmung bei.
- Der ständige Lärm in der Stadt führt zu erheblichen Stressfolgeerscheinungen.
- Historische Gebäude werden durch die Abgase beschädigt.

Das alles kostet etwas. Ist es uns das wert? Das müssen wir nicht nur einzeln, sondern als Gesellschaft beantworten.

SCHWARZFAHREN- GELD SPAREN!?!

Bei „schwarz“ denken wir häufig an seltsame Abweichung von einer ordentlichen Normalität: an schwarze Schafe, schwarze Kassen, Schwarzarbeit usw.

Im Umkehrschluss wird beim Begriff „Schwarzfahren“ – neben der unterschwelligen rassistischen Komponente – transportiert, dass es legitim sei, für eine Beförderung Geld zu verlangen. Dass also dieLeute, die ohne Ticket mitfahren, als logische Konsequenz aufgespürt und verfolgt werden müssen und in die JVA wandern.

Deshalb ist der Begriff des „Schwarzfahrens“ irreführend. Wir finden es angesichts des fehlgelenkten öffentlichen Vermögens (Stichwort Elbphilharmonie etc.) nämlich logisch, das Recht auf Mobilität einfach wahrzunehmen. Was istdaran verwerflich? Der Repressionsgefahr zum Trotz hat es jede/r vierte Jugendliche in Hamburg schon gemacht. Gäbe es keine Schüler-und Semestertickets wäre die Rate um ein vielfaches höher.
Wir wollen den Blick und das Bewusstsein umlenken: Teilhabe ist angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung ein Recht, lediglich die ungleiche Verteilung des Wohlstandes ist krasses Unrecht.
Wir wollen wir mit unserer Initiative den derzeit in Funk und Fernsehen endlich beachteten „Schwarzfahrern“ die Möglichkeit zur sogenannten „Erschleichung“ nehmen. Wir verstehen ihre individuelle Entscheidung, sich für das gesparte HVV- Ticket etwas anderes leisten zu wollen, nur zu gut. Wir finden aber den politischen Kampf für eine solidarisch finanzierte, ticketfreieBeförderung noch cooler und nachhaltiger, da nicht jede/r die Nerven, Tagesform oder Fitness für diese berechtigte Form der praktischen Selbstermächtigung hat.

HVV umsonst durchsetzen! Besucht uns auf unserer Seite:

www.hvvumsonst.blogsport.de

oder auf unserem Stand beim Methfesselfest in Eimsbüttel,
Samstag, 20.8. , 10-18.00 Uhr




/li